Alternativen zu Neuroleptika

19.02.2025

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten von Psychosen (ohne Medikamente)?

Meine Antwort: Ja.

In psychiatrischen Kliniken wird diese Frage aber nicht diskutiert. Als Patient mit psychotischen Symptomen darfst du wählen, ob du Neuroleptika als Tabletten oder Spritze bekommst. Was die Fachleute dann nicht als Zwang verstehen… (Tatsächlich ist eine ungewollte Spritze eine Körperverletzung, und diese "Wahlmöglichkeit" ist meiner Meinung nach strafrechtlich eine Nötigung). Und dies alles, obwohl die Dopamin-Hypothese - wie sie oft für Laien erklärt wird: "Schizophrenie als chemisches Ungleichgewicht im Gehirn, das wie Diabetes behandelt werden muss" - trotz jahrzehntelanger Forschung nie bewiesen werden konnte.

Für mich war die Behandlung mit Medikamenten eine Qual. Ich musste verschiedene Medikamente nehmen, anfangs glaubte ich auch, es sei zu meinem Besten. Ich versuchte mit den Nebenwirkungen (die nicht ernst genommen wurden) zu leben… Mein Umfeld hatte den Eindruck, dass es mir besser gehe, weil ich äusserlich sehr ruhig wirkte. Innerlich fühlte ich mich leer und hatte meinen Lebenswillen beinahe verloren. Obwohl ich nach der zweiten Psychose durchgehend und pflichtbewusst die verordneten Neuroleptika nahm, verhinderten sie meine dritte Psychose nicht. Die Nebenwirkungen waren einschneidend und die versprochene Wirkung blieb bei mir aus. Da begann ich zu zweifeln…

Erst als ich in meine Selbstwirksamkeit kommen konnte - und das war ein steiniger Weg - habe ich langsam angefangen, an wahre Liebe zu glauben, an bedingungslose (Selbst-)liebe. Und das ist das Heilmittel für Angst. Die brachte mir kein Medikament.

Heute verstehe ich meine diagnostizierte Schizophrenie eher als Hochsensibilität. Ich nehme sehr vieles wahr, was andere nicht nachvollziehen können und ich auch selbst noch nicht ganz verstehe. Diese Wahrnehmungen sind aber nicht falsch, Wahrnehmungen sind immer indviduell.

Meine Psychosen waren eine Art "Stopp"-Rufe meiner Seele, dass ich im Leben zu weit von meinem Weg abgekommen war. Mit 19, vor meiner Erstdiagnose, wusste ich nicht einmal, ob ich an Gott glaube, und dachte, das sei auch nicht wichtig. Ich war sehr verkopft und hatte kaum Zugang zu meinen Gefühlen und Null Selbstvertrauen. So waren meine ersten Psychosen hauptsächlich von wahnsinniger Angst geprägt.

Für meinen Recovery-Weg war es zentral, dass ich mein eigenes Krisenverständnis entwickelt habe. Dabei hat mir die Peer-Weiterbildung (Genesungsbegleitung, Experienced Involvement) extrem geholfen. Die Peers öffneten meinen Horizont für Unwissenschaftliches, für Spirituelles, wovor ich mich lange verschlossen hatte. Obwohl ich selbst "übernatürliche" Erlebnisse gehabt hatte, konnte ich diese in mein früheres Verständnis des Lebens nicht integrieren, da ich sie als Symptom einer Krankheit einzuordnen versuchte, was meine Heilung blockiert hatte.

Früher dachte ich, entweder hat man Krankheitseinsicht oder lebt als Aussenseiter in einer eigenen (beängstigenden) Realität. Inzwischen sehe es nicht mehr schwarz-weiss: Es ist befreiend, zu erfahren, dass ich "nicht beweisbare" Dinge glauben darf, ohne dass das gleich ein Symptom ist, dass ich nicht gleich abgestempelt oder ausgeschlossen werde.

Ich habe erst nach Jahren verstanden, dass es nicht hilfreich war, zu versuchen, Fachleuten meine Gesundheit anzuvertrauen, die mir sagten, dass ich mir selbst nicht trauen dürfe. Und beim Reduzieren bzw. Ausschleichen der Neuroleptika wurde ich mehrmals von Fachleuten allein gelassen.

Mit meiner "Compliance" die ich die ersten Jahre hatte, machte ich mich selber immer mehr kaputt. Und als ich begann, meinen eigenen Weg für meine psychische Genesung zu suchen, meinen Raum einzufordern, auch mal nein sagte, um meine Grenzen zu schützen, bei "nein" blieb und wenn es sein musste auch mal laut wurde… Könnt ihr euch vorstellen, wie begeistert und tolerant Fachpersonen und Gutmenschen sind, deren Fachwissen und Gutmenschlichkeit man anzweifelt?

Erst am Tiefpunkt habe ich gemerkt, was in meinem Leben wirklich wichtig ist. Es war eine neuartige Freiheit, als ich im Isolationszimmer zwangssediert erkannte, dass meine Essenz nicht mein Körper ist, dass niemand das zerstören kann, was ich wirklich bin. Und diese Freiheit ist das einzig Wichtige, nicht eine vermeintliche, aufgebaute (materielle) Sicherheit.

Ich würde den Begriff Schizophrenie inzwischen so erklären, dass die Seele vom Mensch gespalten wurde, die Seele selbst ist nie gespalten, sie ist unzerstörbar. Und die Verbindung zwischen einem Mensch und seiner Seele kann wiederhergestellt werden, kann heilen.

Für mich ist Heilung das Ganzwerden, alle Anteile meiner Persönlichkeit leben zu dürfen im Wissen, dass ich geliebt bin, ohne Liebe verdienen zu müssen. Wenn ich im Vertrauen bleiben kann, in der Liebe bleibe, habe ich keine Angst, auch wenn ich Phänomene erlebe, die andere nicht kennen. Ich nenne das nicht mehr Symptome, es ist für mich keine Krankheit, es ist eben eine Besonderheit. Jeder Mensch ist etwas ganz Besonderes.

Etwas praktischer:

Alternative Behandlungsmöglichkeiten von Psychosen sehe ich im "Windhorse Project" und im "Open Dialogue".

Auf meinem eigenen Genesungsweg war Reizarmut und ein freundliches Umfeld sehr heilsam während Psychosen. Ich konnte anfangs nicht in Gruppen sein und fürchtete mich, allein zu sein, ich brauchte viel Bewegung und hatte eine schlechte Orientierung, ich war wahnsinnig mit meinen Gedanken beschäftigt und konnte kaum zur Ruhe kommen.

Mir haben Körpermeditationen, Kunsttherapie, Bewegungstherapie, Naturspaziergänge, Gartenarbeiten, Ergotherapie, Yoga, Singen, Schreiben, Origami, auch Arbeitstherapie… geholfen. Auch mit Traditioneller Chinesischer Medizin habe ich gute Erfahrungen gemacht. Psychotherapie finde ich längerfristig sehr hilfreich und auch Hypnose.

Es war nicht eine bestimmte Therapieform, die mir besonders geholfen hat, sondern die Menschen, die Fachleute, die Klinik-Seelsorger:innen, Peers, Mitpatient:innen, Freundinnen und mein Partner. Diese Menschen waren mit liebevoller Geduld und Offenheit wirklich für mich da und inspirierten und beruhigten mich mit ihrer Herzlichkeit in meinen dunkelsten Momenten.

Mitmenschen, die einfach da waren, halfen mir gegen die wahnsinnige Angst, es war beruhigend, nicht allein zu sein. Freundliche Begegnungen ohne Erwartungen liessen mich spüren, dass ich ein Mensch bin, nicht meine Symptome, nicht meine Ängste, Sorgen oder Schuldgefühle. Sie holten mich ins Jetzt zurück, brachten mich zum Lachen. Als ich mich so wertlos und einsam fühlte, war die Herzlichkeit von Mitmenschen, die mich nicht verurteilten und mich einfach so annahmen, wie ich gerade war, wie eine Medizin. In einer hoffnungslosen Zeit mit viel erlebter Ungerechtigkeit zu erfahren, dass Andere an mich glaubten und Gutes in mir sahen, war sehr tröstlich und ermutigend für mich.

Für mich war nicht eine Behandlung, sondern die Begleitung der Psychosen entscheidend. Niemand konnte mich "gesund machen", nur ich selbst konnte meinen Recovery-Weg gehen…

Meine Psychosen- und Psychiatrieerfahrungen haben mir mehrfach das, was ich ich mir im Leben als "Sicherheit" aufbauen wollte (möglichst schnell eine gute Ausbildung, gut verdienen, um niemandem zur Last zu fallen) bis auf die Grundmauern abgefackelt… Aber was für ein Nährboden diese kreative Zerstörung hinterlassen hat!

Freedom is just another word for nothing left to lose.